Seligman zur Bedeutung der Consumers Report Studie
Einen besonderen Beitrag - und die Formulierung eines anderen Forschungsansatzes zur Wirksamkeitsforschung - leistete Martin Seligman mit seinem Bericht ueber die Consumers Report Studie von 1995 (Seligman 1995) . Er beschrieb die Erkenntnisse, die er als Berater bei einer großangelegten Untersuchung von Consumers Report - einer Art "Stiftung Warentest" in USA - gewonnen hat.Seligman unterscheidet die Frage: Wirkt Psychotherapie unter speziellen experimentellen Bedingungen(efficacy-Studien) von der Frage Wirkt Psychotherapie in der Praxis(effectiveness-Studie). Die CR-Studie ist ein Modell einer effectiveness-Studie: Sie untersucht, wie Psychotherapie in der Praxis geleistet wird und wie deren Wirksamkeit von den Klienten eingeschaetzt wird. Es handelt sich um eine naturalistische Studie, bei der Bedingungszusammenhaenge korrelativ erschlossen werden
"Consumers Report" fuehrt regelmaeßig Fragenbogen-Umfragen unter seinen ueber 4 Millionen Abonnenten durch. Im Fruehjahr 1994 erhielten 184 000 zufallsmaeßig ausgewaehlte Abonnenten einen vierseitigen Fragebogen mit dem Titel: "Health Care: Stress and Other Emotional Problems". 22 000 Personen antworteten, von denen 6900 seit 1991 professionelle Hilfe fuer seelische Probleme in Anspruch genommen hatten. Von diesen 6900 waren 2800 zu Familienmitgliedern, Freunden oder Geistlichen gegangen, 1100 zu Hausaerzten und 1300 zu Selbsthilfegruppen. 2900 hatten sich an Professionelle im Feld Psychotherapie/Beratung gewandt.
- was fuer ein Therapeut wurde aufgesucht
- was war der Behandlungsanlaß (presenting problem)
- emotionales Befinden bei Beginn der Therapie
- jetziges emotionales Befinden
- Gruppe vs. Einzeltherapie
- Dauer und Frequenz der Therapie
- Therapieform (psychodynamisch, behavioral, kognitiv, feministisch)
- Kosten
- Kostentraeger und deren zeitl. Begrenzungen bei Kostenuebernahme
- Kompetenz des Therapeuten
- wie sehr hat die Therapie geholfen (Ratingskala) und in welchen Lebensbereichen?
- Zufriedenheit mit der Therapie
- Gruende fuer die Therapiebeendigung
Fuer die Effektivitaet der Therapie wurde aus den Dimensionen
- spezifische Verbesserung
- Zufriedenheit
- globale emotionale Befindlichkeitsbesserung
ein Gesamtindex gebildet, der zwischen 0 und 300 (maximaler Wert) lag.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, daß die Behandlung in der Regel hilfreich war, wobei positive Veraenderungen in vergleichbarer Weise von allen psychotherapeutischen Behandlungsformen berichtet wurden; Behandlungen, die laenger als sechs Monate waren, hatten aus Sicht der Antwortenden sogar eine noch bessere Veraenderung zur Folge.
Wie erklaert sich Seligman eine Differenz zu vergleichenden kontrollierten Studien (efficacy-Studien), die zum Beispiel mehrheitlich eine leichte ueberlegenheit kurz- und mittelfristiger Behandlungen in ihrer Wirksamkeit zeigen sowie deutlichere Wirksamkeitsunterschiede zwischen psychotherapeutischen Richtungen?
Seligman fuehrt aus:
Seligmans Artikel zur CR-Studie: http://horan.asu.edu/cpy702readings/seligman/seligman.html
Resonanz auf Seligmans Veröffentlichung (Strupp, Goldfried u.a.)
Eine deutsche Version des Artikels von Seligman:
Siehe auch: Mackenthun, : G. Sind laengere Psychotherapien effektiver als kurze? Report Psychologie 5-6/98, S. 464-471